Rundschreiben Juni 2005
Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
bei der Jahreshauptversammlung am 14. April 2005 haben Sie einen neuen Vorstand gewählt – für Ihr Vertrauen danke ich Ihnen im Namen aller Gewählten und zugleich bitte ich herzlich darum, dass Ihr Engagement in unserer Gesellschaft für Frankfurter Geschichte uns in den kommenden Jahren hilft unsere Aufgaben wahrzunehmen. Wir wollen an Bewährtem festhalten – Vortragsveranstaltungen, Ausflüge und Veröffentlichungen gehören zu unserem festen Repertoire – und zugleich die Kommunikation verbessern, d.h. nach innen und nach außen offensiver auftreten. Dazu brauchen wir Ihre Mithilfe, Anregungen und Kritik.
Wir fangen heute gleich mit einem Fragebogen an, der uns einen Überblick über die Interessen und Wünsche der Mitglieder verschaffen soll. Bitte, nehmen Sie sich die Zeit für eine Antwort – wer möchte, kann uns auch per e-Mail anschreiben: Sie erreichen mich unter „SylviaSchenk@gmx.net“.
Ihre Antworten sollen uns Aufschluss darüber geben, welche Gestaltung das Mitgliederrundschreiben künftig haben sollte, welche Themen von besonderem Interesse sind und wie wir Sie noch besser informieren können.
Mit Ihrer Mitgliedschaft bei uns unterstützen Sie schon jetzt die historische Arbeit in Frankfurt, lassen Sie uns gemeinsam noch mehr für unsere Stadt erreichen!
Ich hoffe, Sie bald bei einer unserer Veranstaltungen zu sehen - herzliche Grüße
Ihre
Sylvia Schenk
Protokoll der Mitgliederversammlung vom 14. April 2005
Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Dr. Dieter Rebentisch „Abbruch der Moderne“ Frankfurter Musikleben unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur 1933-1945“ fand die jährliche Mitgliederversammlung statt, zu der die Mitglieder am 10. März 2005 schriftlich eingeladen worden waren.
1.Begrüßung
Nach der Begrüßung der Mitglieder und vor Eintritt in die Tagesordnung bat der Vorsitzende Reinhart Bartholomäi die Anwesenden, sich von den Plätzen zu erheben, um der verstorbenen Mitglieder Erich Speier, Maria Canter, Hannelore Staudenmayer und Wolf Arno Kropat zu gedenken.
2. Geschäftsbericht für das Jahr 2004
Im allgemeinen Geschäftsablauf sind keine schwerwiegenden oder grundsätzlichen Probleme aufgetreten. So ist es gelungen, die satzungemäßen Aufgaben in vollem Umfang zu erfüllen. Die Geschäftsstelle unserer Gesellschaft hat ein neues Büro in der Seckbächer Gasse 4 bezogen. Es liegt im Erdgeschoß und ist daher auch für die älteren Mitglieder besser zu erreichen. Günter Moos, dem für sein ehrenamtliches Engagement besonders gedankt wird, ist zumeist montags anwesend. Mark Nördinger, der als ‚studentische Hilfskraft’ angestellt ist und das Büro sehr ordentlich führt, versieht die Bürostunden am Mittwochnachmittag. Der „Engere Vorstand“ hat sich mehrfach zu Lagebesprechungen getroffen und bereits am 3. September 2004 gemeinsam mit der Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte die Perspektiven für die Zukunft erörtert.
Das laufende Publikationsprogramm, das ja aus Gründen finanzieller Vorsicht eine gewisse Einschränkung erfahren hat, konnte erfolgreich durchgeführt werden. In der Reihe der Studien zur Frankfurter Geschichte ist der Band 54 von Bettina Tüffers über den „Braunen Magistrat“ erschienen und in der Tagespresse teilweise ganzseitig besprochen worden. Die vergleichende Studie über die Kulturpolitik in Frankfurt und in der Partnerstadt Lyon (Band 53 von Klaus Becker) - ist mittlerweile - ausgeliefert. Der 70. Band des „Archivs für Frankfurts Geschichte und Kunst“ mit dem Generalthema „Stadt am Fluss: Frankfurt und der Main“ konnte termingerecht noch in vergangenen Dezember erscheinen. Der Band hat wegen der nützlichen Hintergrundinformationen zu aktuellen Problemen der Stadtentwicklung bei der Frankfurter Presse und in der Öffentlichkeit eine sehr beachtliche Resonanz gefunden.
Die Vortragsreihe in der Wintersaison 2004/5 zur „Frankfurter Musikgeschichte“ hat ein bislang wenig bearbeitetes Thema aufgegriffen und insofern innovativen Charakter. Die Stadtspaziergänge sind ein sehr bewährtes Programm, das unverminderten Zuspruch erfährt. Auch bei den Exkursionen hat sich die Beteiligung wieder stabilisiert. Die Planungen und Vorbereitungen sind schwieriger geworden, nicht zuletzt weil die Kosten für die Omnibusse steigen, vor allem aber wegen der Unwägbarkeiten, die sich aus der Vielzahl von Ereignissen und Veranstaltungen in Frankfurt ergeben.
3. Bericht des Schatzmeisters
Die Finanzen sind wohlgeordnet und erlauben eine Bilanz in ausschließlich schwarzen Zahlen. Allerdings ist weiter eine sehr vorsichtige Politik mit genauer Kalkulation der finanziellen und personellen Leistungsfähigkeit angezeigt. Die Beitragseinnahmen 2004 waren gegenüber 2003 wieder rückläufig (ca. 6 %). Leider lässt auch die Zahlungsmoral der Mitglieder zu wünschen übrig. Bedauerlich ist, dass verschiedene „Fördernde Mitglieder“ aus dem Bereich der privaten Wirtschaft ihre Mitgliedschaften gekündigt haben. Die Kürzung der institutionellen Förderung durch die Stadt konnte vorerst abgewendet werden. Das früher so einfache Abbuchungsverfahren ist zunehmend mit Problemen und Kosten verbunden, da immer mehr Kunden immer häufiger ihr Bankinstitut wechseln. Deshalb waren die Bankkosten in 2004 besonders hoch. Durch Bündelung der Versände konnten trotz zum Teil beträchtlicher Preiserhöhungen bei den Druck- und vor allem bei den Portokosten die Aufwendungen für die Rundschreiben und Einladungen konstant gehalten werden. Für den Versand der Spendenbescheinigungen wurden etwa € 500,00 aufgewendet, die künftig durch die Verwendung der Spenden-Überweisungsträger eingespart werden können. Weil einige Referenten auf ihr Honorar verzichteten, waren die Aufwendungen für unsere Vortragsreihen geringer. Gegenüber 2003 haben sich wegen des Umzugs und einiger Neuanschaffungen (Computer, Drucker, Beamer) die Aufwendungen für „Sonstige Kosten“ und „Büromaterial“ verdoppelt. Die Druckkosten für die Studien und den Archivband 70 wurden aus den Rückstellungen bzw. Überschüssen aus 2002 und 2003 gedeckt. Für die in 2004 erschienenen Publikationen wurden Rückstellungen gebildet. Die Aufwendungen für eine bis Ende Juli 2005 laufende AB-Maßnahme werden durch zweckgebundene Spenden, Zuschüsse und Zuwendungen nach § 153a StPO ausgeglichen. Die Mehreinnahmen aus den Fahrten haben die Kosten für die Werbung und den Versand gedeckt.
4. Bericht der Kassenprüfer
Dieter Körber berichtete zugleich im Namen von Margarete Neubert von einer sehr ins Einzelne gehenden Kassen- und Rechnungsprüfung, die sich auf die rechnerisch richtige Erfassung der Einnahmen und Ausgaben und auf die sachliche Richtigkeit der Ausgaben bezog. Die Prüfung ergab keine Beanstandungen. Daher beantragte Körber die Entlastung des Schatzmeisters und des Vorstands.
5. Entlastung des Vorstandes
Bei Stimmenthaltungen der Vorstandsmitglieder wurde die Entlastung einstimmig, ohne Gegenstimmen und Enthaltungen erteilt.
6. Wahl des Vorstandes
Weder Reinhart Bartholomäi noch Prof. Dieter Rebentisch wollten sich als Vorsitzender bzw. als Geschäftsführer zur Wiederwahl stellen. Reinhart Bartholomäi begründete seinen Schritt nach neun Jahren wie folgt: „Nach meinem Ausscheiden aus dem Berufsleben halte ich mich vor allem an meinem Wohnort Wiesbaden auf, da fehlt für so ein Ehrenamt die enge Verbindung zu Frankfurt am Main. Außerdem sollen mal jüngere mit neuen Ideen ran!“. Er schlug als neue Vorsitzende Sylvia Schenk vor. Die 53-jährige Rechtsanwältin und ehemalige Rechts- und Sportdezernentin hatte sich in ihrer Amtszeit im Magistrat insbesondere auch für die Sportgeschichte eingesetzt, mit dem „Frankfurter Sportmuseum“ zahlreiche Ausstellungen initiiert und dabei mit dem Institut für Stadtgeschichte sowie dem Historischen Museum kooperiert. Aus jener Zeit resultiert ihre enge Verbindung zur Gesellschaft für Frankfurter Geschichte, deren Vorstand sie in den vergangenen Jahren bereits angehörte. Der zum Versammlungsleiter gewählte Hans Pleitgen übernahm routiniert unter Beachtung der vereinsrechtlichen Formalien den Wahlvorgang, der mit dem einstimmigen Ergebnis schloss, dass Sylvia Schenk zur Vorsitzenden gewählt wurde. Es gab keine Gegenkandidatur.
Sylvia Schenk bedankte sich bei den Mitgliedern und stellte noch einmal ihre Vorstellungen von der künftigen Arbeit als Vorsitzende vor: In Zukunft will die Gesellschaft für Frankfurter Geschichte sich neben Vortragsreihen, historischen Ausflügen und Veröffentlichungen u. a. um die Verbindungen zur Geschichte der Region und um Kinder und Jugendliche als Zielgruppe kümmern.
„Geschichte trägt wesentlich zur Identifikation mit der Stadt und der Region bei, wir können außerdem für die Gegenwart daraus lernen und nur aus einer soliden historischen Kenntnis heraus die Zukunft gewinnen!“ sagte die neue Vorsitzende. „Leider spielt die Beschäftigung mit Geschichte aber für viele gerade jüngere Menschen eine zu geringe Rolle, hinzu kommt, dass viele Menschen neu nach Frankfurt ziehen und einen großen Nachholbedarf in städtischer Geschichte haben.“ Es erscheint deshalb umso wichtiger, in der heutigen Zeit auch mit stärkerer Öffentlichkeitsarbeit über die Frankfurter Stadtgeschichte und ihre Bezüge zur Gegenwart zu informieren. Anschließend übernahm sie die Sitzungsführung.
Der langjährige Geschäftsführer, Prof. Rebentisch, begründete seinen Rückzug aus der Geschäftsführung der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte unter Hinweis auf seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen. „Diese Gesellschaft muss eng mit dem Institut für Stadtgeschichte zusammen arbeiten, beide profitieren davon!“ betonte Bartholomäi und schlug daher dessen Nachfolgerin im Amt, die 49–jährige Institutsleiterin, Dr. Evelyn Brockhoff, vor, was von den Mitgliedern mit einem einstimmigen Votum goutiert wurde.
Als drittes Mitglied des Engeren Vorstands wurde als Schatzmeister, Lutz Becht, in seinem Amt aufgrund seiner besonderen Verdienste einstimmig bestätigt.
En bloc wurden als Dr. Bernd Heidenreich, Dr. Hans Jürgen Hellwig, Dr. Thomas Rautenberg und Rudi Sölch einstimmig gewählt. Ebenfalls en bloc wurde der wissenschaftliche Beirat einstimmig gewählt. Er setzt sich nun wie folgt zusammen: Dr. Thomas Bauer, Dr. Michael Fleiter, Prof. Dr. Lothar Gall, Prof. Dr. Wolfgang Klötzer, Dr. Henriette Kramer, Dr. Michael Matthäus, Dr. Petra Meyer, Helmut Nordmeyer, Hans Otto Schembs und Dr. Konrad Schneider. Es folgte noch die einstimmige Wahl des Ausflugausschusses mit Birgit Zoike, Günter Moos, Patricia Stahl und Dieter Brozat.
Sylvia Schenk dankte Reinhart Bartholomäi und Prof. Dieter Rebentisch für ihren jahrelangen Einsatz. Beide wurden mit lang anhaltendem Beifall verabschiedet.
7. Wahl der Kassenprüfer
Als Revisoren stellten sich dankenswerterweise wieder Dieter Körber und Margarete Neubert zur Verfügung.
8. Ehrenmitgliedschaft
Groß war der Applaus auch für Prof. Dr. Wolfgang Klötzer und Dr. Frolinde Balser, die von der Mitgliederversammlung als Ehrenmitglieder bestätigt wurden.
Klötzer prägte als langjähriger Leiter des Frankfurter Stadtarchivs ganz entscheidend die Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte und verhalf in dieser Zeit der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte zu einem erheblichen Mitgliederzuwachs. Balser hat neben ihrer beruflichen und politischen Tätigkeit (u.a. erste Stadtverordnetenvorsteherin in Frankfurt am Main und Mitglied des Bundestages) zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zur Frankfurter Stadtgeschichte verfasst und sich beispielhaft für den historischen Blick auf die Stadtentwicklung eingesetzt.
9. Arbeitsprogramm und Aussprache
Dr. Evelyn Brockhoff berichtet, dass sich im Jahr 2006 zum 650. Mal ein Ereignis jährt, das für die Frankfurter und die deutsche Geschichte von herausragender Bedeutung war: Im Jahr 1356 regelte Kaiser Karl IV. die Wahl des deutschen Königs in der so genannten Goldenen Bulle, die im Institut für Stadtgeschichte aufbewahrt wird. In diesem bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1806 (200. Jahrestag ebenfalls 2006) gültigen „Reichsgrundgesetz“ wurde Frankfurts Status als Wahlort reichsrechtlich fixiert. Wahl und seit 1562 auch die Krönung der deutschen Kaiser waren herausragende Ereignisse der Reichsstadt Frankfurt. Man war stolz, Austragungsort dieser politisch wichtigen und symbolträchtigen Handlungen zu sein. Deshalb soll das 650. Jubiläum der Goldenen Bulle in mehreren, wissenschaftlichen fundierten Ausstellungen (im Institut für Stadtgeschichte, im Historischen Museum, im Jüdischen Museum und im Dommuseum) mit Begleitprogrammen gewürdigt werden. Ein wissenschaftlicher Katalog soll in der Reihe des „Archivs für Geschichte und Kunst“ erscheinen. Um die finanziellen Kräfte für dieses Projekt zu bündeln soll im Jahr 2005 kein Band in dieser Reihe erscheinen. Als Begleitprogramm zu dem großen Jubiläum plant die Gesellschaft für Frankfurter Geschichte e.V. im Winter 2005/2006 verschiedene Vorträge zu den Wahlen und Krönungen, daneben wird es wieder Vorträge „Außer der Reihe“ geben. Am 11. November 2005 ist ein „Tag der Stadtgeschichte“ geplant, an dem sich neben unserer Gesellschaft weitere Frankfurter Geschichtsvereine zu einem Gedankenaustausch im Institut für Stadtgeschichte treffen werden.
Patricia Stahl stellt abschließend noch das Ausflugsprogramm vor.
10. Verschiedenes
Günter Moos macht auf den großen Erfolg des Besuchs im Kriminalmuseum aufmerksam und hat auch schon zwei weitere Termine im Januar 2006 ausgemacht.
Sylvia Schenk bedankt sich abschließend noch einmal bei dem gesamten alten Vorstand für die hervorragende Arbeit der zurückliegenden Jahre und verleiht Ihrer Hoffnung Ausdruck für eine gute zukünftige Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand.
Liebe Mitglieder,
zu den Vorträgen, Stadtrundgängen und Exkursionen unserer Gesellschaft laden wir Sie seit einiger Zeit mit gesonderter Post ein. Als Mitglied unserer Gesellschaft erhalten Sie Hinweise auf andere wichtige Veranstaltungen, die Sie interessieren, über das Institut für Stadtgeschichte. Auf Veranstaltungshinweise an dieser Stelle möchten wir künftig verzichten. Die gesellschaftsinternen Informationen über neue oder verstorbene Mitglieder teilen wir Ihnen künftig im letzten Rundschreiben eines Jahres mit. Dieses Rundschreiben enthält dann auch alle für Sie interessanten Literaturhinweise und anderes „Frankfurterisches“. Das ist für Sie viel übersichtlicher. Somit können wir uns den Versand eines Rundschreibens ersparen und die eingesparten Mittel für zusätzliche Veranstaltungen verwenden, wozu wir Sie selbstverständlich aktuell wie gezielt – und in gewohnter Weise herzlich einladen.
Eine schöne Sommer- und Urlaubszeit
Sylvia Schenk, Evelyn Brockhoff und Lutz Becht
