Rundschreiben Dezember 2005
Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
mit mehr als 200 Rückläufen hat die im letzten Rundschreiben durchgeführte Mitgliederbefragung schon von der Zahl her unsere Erwartungen weit übertroffen. Auch inhaltlich können wir zufrieden sein – das Interesse an unserem Rundschreiben und den Veranstaltungen ist groß, die thematische Gestaltung trifft im Wesentlichen die Wünsche der Mitgliedschaft. Das ist eine gute Basis für künftige Planungen – ich danke Ihnen allen für Ihr Engagement, insbesondere für jede zusätzliche Anregung, die uns erreicht hat. Marc Nördinger hat die Befragung ausgewertet – ihm ebenfalls ein herzliches Dankeschön! – die Zusammenfassung der Ergebnisse können Sie in diesem Rundschreiben lesen.
Die intensive Diskussion der vergangenen Wochen über die Altstadtbebauung zeigt, wie wichtig den Menschen ihre Stadt und deren Vergangenheit ist, wie sehr sie sich gerade mit dem Bereich rund um den Römer identifizieren. Darin steckt eine Chance, die genutzt werden muss. Frankfurts Geschichte ist wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, das hilft uns bei unserer Arbeit. Mit neuem Logo und einem entsprechenden öffentlichen Auftritt will der Vorstand im kommenden Jahr um Mitglieder und Sponsoren werben. Dazu gehören z.B. Überlegungen, Angebote für Zugezogene zu entwickeln: sozusagen ein Crashkurs in Frankfurter Geschichte für neue Bürgerinnen und Bürger, wobei der eine oder andere Alteingesessene seine Kenntnisse sicher auch auffrischen kann.
Um die nachwachsende Generation für Geschichte zu begeistern, hat eine vom Vorstand eingesetzte Projektgruppe unter Leitung von Dr. Thomas Rautenberg konzeptionelle Überlegungen zur „Frankfurter Geschichte für Kinder und Jugendliche“ erarbeitet – lesen Sie dazu bitte den nachfolgenden Beitrag. Ich freue mich über diesen besonderen Einsatz und danke Dr. Rautenberg sowie den weiteren Beteiligten Dr. Thomas Bauer, Renate Knecht, Dr. Henriette Kramer, Dr. Petra Meyer und Günter Moos herzlich für diese wichtige Grundlagenarbeit.
Ihnen allen wünsche ich noch eine schöne Adventszeit, denken Sie beim Einkauf von Weihnachtsgeschenken auch an die Frankfurter Geschichte, das eine oder andere Buch dazu passt sicher unter den Weihnachtsbaum!
Geruhsame Feiertage, kommen Sie gut ins Neue Jahr – Glück und Gesundheit für 2006.
Herzlich Ihre
Sylvia Schenk
Projektgruppe Kinder und Jugendliche
Die diesjährige Mitgliederversammlung war sich einig, dass die Vermittlung von Frankfurter Geschichte für Kinder und Jugendliche verbessert werden müsste. Um zu klären, welche Ziele unser Verein bei dieser Aufgabe erfüllen sollte, hat der Vorstand eine Projektgruppe eingesetzt, der die Mitglieder Dr. Bauer, R. Knecht, Dr. Kramer, Dr. Meyer, Günter Moos und Dr. Rautenberg angehören. Nach diversen Recherchen in unserer Stadt aber auch in anderen Städten Deutschlands hat die Projektgruppe dem Vorstand in seiner Sitzung am 15.11.2005 Projekte vorgeschlagen, um interessierten Kindern und Jugendlichen ein Frankfurter geschichtliches Profil nahe zu bringen.
Was ist zu tun?
Wir brauchen Unterrichtsmaterialien für alle Altersstufen, aber insbesondere für die Grundschule, zur Frankfurter Geschichte. Derzeit ist nichts auf dem Publikationsmarkt vorhanden. In Fortbildungsveranstaltungen sollte Lehrern die Arbeit mit diesen Materialien, am besten nach Stadtteilen gegliederten, nahe gebracht werden. Dabei könnten auch „Stadtteil Experten“ aus unseren Reihen eine wichtige Rolle spielen. Da derzeit die Lehrer-Fortbildung neu organisiert wird, wäre es zu begrüßen, wenn wir mit unserem Thema alsbald auf dem „Markt“ wären.
Für alle Kinder, die intensiver am Thema interessiert sind, brauchen wir zwei verschiedene Buchpublikationen. Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass für die Grundschüler ein Buch mit kindgerecht erzählten Abenteuern aus der Stadtgeschichte optimal wäre. Für die Älteren sollte es ein Buch geben, das eine gelungene Verbindung zwischen der Vermittlung von historischem Basiswissen und der Erlebniswelt von Jugendlichen darstellt. Jede Verwechslung mit einem Schulbuch sollte vermieden werden. Warum sollte es eigentlich keine Inliner Runde zu historischen Schauplätzen geben, Rezepte zu mittelalterlichem Essen zum selber kochen oder eine Entdeckungsreise zu historischen Landmarken in der Landschaft? Dr. Henriette Kramer hat für ihren Verlag schon großes Interesse an beiden Buchprojekten signalisiert.
Wer Kinder und Jugendliche interessieren will, muss sie dort „abholen“, wo sie stehen. Deshalb stellt nach Überzeugung der Projektgruppe auch eine CD zur Stadtgeschichte, die in Form eines Computerspiels historische Fakten vermittelt, eine gute Ergänzung der Möglichkeiten dar.
Wir wollen schauen, wie wir mit dem Institut für Stadtgeschichte die Frage des Unterrichtsmaterials auf der Ebene eines Stadtteils darstellen können. Wenn ein solches Projekt erfolgreich ist, haben wir bessere Möglichkeiten für die stadtweite Organisation dieses Themas nach Sponsoren Ausschau zu halten, weil eine Fortführung ohne professionelle Hilfe nicht gelingen wird. Auch für das CD Projekt werden wir uns nach Sponsoren umsehen. Wir haben die Hoffnung, dass wir den ein oder anderen großen Anbieter aus der IT Branche hierfür gewinnen können. Alle Vorschläge und Ideen aus dem Kreis der Mitglieder insbesondere zur Mittelanwerbung sind herzlich willkommen.
Für die Projektgruppe:
Dr. Thomas Rautenberg
Frankfurtliteratur
Schon früher waren die beiden Partnerstädte Frankfurt und Lyon durch ihre Lage in den jeweiligen Nationalstaaten vergleichbar. Die gerade als Band 54 unserer Studien zur Frankfurter Geschichte von Klaus Becker durchgeführte Untersuchung „Stadtkultur und Gesellschaftspolitik. Frankfurt am Main und Lyon in der Zwischenkriegszeit 1918-1939“ beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von städtischer Kulturpolitik, politischer Kultur und kollektiver Identität. Untersucht wird, wie die Handlungsträger auf beiden Seiten des Rheins auf die Einschnitte des Ersten Weltkrieges reagierten. In der Weimarer Gesellschaft hatten die ungelösten Identitäts- und Konsensprobleme entscheidend zu den ständigen Krisen beigetragen. In Frankreich hingegen ließ die massive Erziehung zu französischem Patriotismus die nationale Identität gleichsam mit dem Begriff der „Republik“ assoziieren. Das Ziel, die nationale Integration zu festigen, wurde in beiden Ländern durch die Kulturpolitik umgesetzt, der die „Erziehung zur Nation“ oblag. Der Band kostet im Buchhandel € 34,80 (ISBN 3-7829-0557-1) In der Geschäftstelle erhalten Mitglieder 20 % Rabatt.
Veröffentlichungen zum Ende des 2. Weltkrieges beleuchten überwiegend die letzten Kriegstage und die politischen Weichenstellungen danach. Hanna und Dieter Eckhardt leisten mit ihrer gerade erschienen Dokumentation „Selbsthilfe aus Ruinen. Die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt am Main in den drei wilden Jahren 1945 – 1948“ einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Selbstorganisation der Bevölkerung im Nachkriegs-Frankfurt. Oft noch von Haft oder KZ gezeichnete Sozialdemokraten und Kommunisten taten sich zusammen, um gemeinsam die herrschende Not und Armut zu bekämpfen und eine neue, sozialistische Gesellschaft zu bauen. Die Selbsthilfe der Arbeiterschaft zum Wohle der Allgemeinheit wurde der Schlüsselbegriff einer Organisation, die buchstäblich in der „Stunde Null“ neu anfing. Der flüssig geschriebene und mit vielen Dokumenten angereicherte Band ist ein wichtiger Beitrag zur Frankfurter Sozialgeschichte der Nachkriegszeit. Leider ist der 10-€-teure Band (noch) nicht im Buchhandel erhältlich und muss über die AWO Geschäftsstelle, Henschelstraße 11, 60314 Frankfurt am Main (oder per eMail info@awo-frankfurt.de) bestellt werden (ISBN 3-00-01783-5)
Aus dem Herbstprogramm des Verlages Waldemar Kramer sind uns zwei Titel besonders aufgefallen:
Klaus Hoffmann, „Otto Hahn – Forschung und Verantwortung“ (Band 6 der Schriften der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen und der Ernst Max von Grunelius-Stiftung), 240 Seiten mit 47 Abbildungen, € 17,90 (ISBN 3-7829-0560-1)
Eine anschauliche wie spannende Wissenschafts- und Zeitgeschichte um den Entdecker der Kernspaltung Otto Hahn.
Ludwig Edinger „Mein Lebensgang. Erinnerungen eines Frankfurter Arztes“, 256 Seiten mit 35 teilweise farbigen Abbildungen, € 19,80 (ISBN 3-7829-0561-X)
Der Frankfurter Nervenarzt Ludwig Edinger (1855-1918) war einer der bedeutendsten Hirnforscher seiner Zeit. Sein privates, über Jahrzehnte von ihm selbst finanziertes „Neurologische Institut“ war die erste Einrichtung für Hirnforschung in Deutschland überhaupt. Edinger brachte sein Institut in die 1914 eröffnete Frankfurter Universität ein, deren Stiftungsvertrag er mit unterzeichnete hatte. Zum ordentlichen Professor für Neurologie ernannte, war er der erste Lehrstuhlinhaber für dieses Fach überhaupt. In seinen autobiographischen Skizzen schildert Edinger die liberale Atmosphäre in den Frankfurter wissenschaftlichen Vereinigungen um die Jahrhundertwende. Auch von seinen Reisen in mediterrane Landschaften weiß Edinger anschaulich zu berichten. Edinger fühlte sich der Bildungswelt des deutschen Bürgertums verbunden und gelangte durch seine ärztliche Kunst, wissenschaftliche Forschung und kulturelles Engagement zu hohem Ansehen.
Die Titel des Kramer-Verlages erhalten Sie in allen Buchhandlungen.
Ausstellungsprojekt 2006/2007:
Die Kaisermacher: Frankfurt am Main und die Goldene Bulle, 1356-1806
Im nächsten Jahr stehen zwei gewichtige Jubiläen an: vor 650 Jahren, im Jahr 1356, erließ Kaiser Karl IV. mit der so genannten „Goldenen Bulle“ ein erstes „Grundgesetz“ des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation). Es bestimmte Frankfurt am Main endgültig zum Wahlort der deutschen Könige und Kaiser. Sieben Kurfürsten (später neun) hatten fortan exklusiv das Recht zur Königswahl, die in der Wahlkapelle der Bartholomäus-Kirche stattfand. Seit 1562 kamen dann auch noch die Kaiserkrönungen hinzu, weswegen man die Bartholomäuskirche gerne auch als Kaiserdom bezeichnet. Dieses Privileg der Kaiserwahlen überdauerte mehr als 400 Jahre bis zum Ende des Alten Reiches, als Franz II. – infolge der großen Neuordnung des europäischen Staatensystems durch Napoleon - die Kaiserkrone im Jahr 1806 niederlegte. Auch an das Ende des Alten Reichs vor 200 Jahren soll im nächsten Jahr erinnert werden. In einem gemeinsamen Projekt werden ab September 2006 das Institut für Stadtgeschichte, das ja die Hüterin der Goldenen Bulle ist, das Historische Museum, das Jüdische Museum und das Dommuseum die Ausstellung „Die Kaisermacher. Frankfurt am Main und die Goldene Bulle, 1356-1806“ präsentieren. Erstmals in ihrer Geschichte werden diese vier Institute gemeinsam in dieser Form kooperieren: im Zentrum der Ausstellung des Instituts für Stadtgeschichte wird die Goldene Bulle selbst stehen. Das Historische Museum wird sich vor allem mit der weltlichen Seite der Kaiserwahl und –Krönung befassen, während sich das Dommuseum auf das geistliche Ritual konzentrieren wird. Das Jüdische Museum wird sich schließlich mit dem Verhältnis der Juden zum Kaiser beschäftigen. Die Ausstellung wird von zwei Publikationen begleitet. Die erste, ein Aufsatzband, wird in der Reihe des Archivs für Frankfurts Geschichte und Kunst als Nr. 71 erscheinen. Da diese Produktion sehr aufwendig sein wird, haben wir uns aus Kostengründen entschließen müssen, in diesem Jahr auf die Herausgabe eines Archivsbandes als Jahresgabe zu verzichten. Freuen Sie sich also auf nächstes Jahr! Der zweite Band wird ein Katalogband sein, der die Exponate der einzelnen Ausstellungen behandelt. Eine Vortragsreihe, die die Gesellschaft für Frankfurts Geschichte e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte veranstaltet, bildet den Auftakt des sehr umfangreichen Begleitprogramms. Zwei Vorträge über die Goldene Bulle sowie über den Römer haben schon stattgefunden, weitere Vorträge folgen.
Mitgliederumfrage
Marc Nördinger, unser Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, hat die Rückläufe unserer Mitgliederumfrage ausgewertet und sich darüber einige Gedanken gemacht. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:
Liebe Mitglieder,
vielen Dank für die vielen Antwortschreiben auf unsere Mitgliederbefragung. Mit rund 250 Antworten haben die Mitglieder der Gesellschaft unsere Erwartungen bei weitem übertroffen – nicht jeder Verein kann eine Rückmeldequote von rund einem Drittel der Mitglieder vorweisen!
Ich habe die Antwortschreiben numerisch und qualitativ ausgewertet. Viele Mitglieder haben die Befragung genutzt, um uns Vorschläge für zukünftige Veranstaltungen und zu interessanten, aber bislang vernachlässigte Themen der Frankfurter Stadtgeschichte zu machen. Für diese Vorschläge sowie einige von Mitgliedern angesprochene Probleme sind wir sehr dankbar. Alle diese Informationen – positiv wie negativ – helfen uns, die Arbeit der Gesellschaft zu verbessern und stärker auf die Interessen der Mitglieder auszurichten. Es freut uns insbesondere, dass unser Mitgliederschreiben unter den Mitgliedern große Beachtung findet und dass unsere Fahrten ebenfalls recht beliebt sind.
Welche Vorschläge wir in näherer Zukunft konkret umsetzen können, wird gerade im Vorstand diskutiert, aber wir dürfen an dieser Stelle schon ankündigen, dass wir in Zukunft verstärkt Vorträge zu den größeren Epochen Frankfurter Stadtgeschichte anbieten werden. Diese eher allgemeinen Vorträge sollen insbesondere neu hinzugezogenen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, sich mit ihrer Stadt und ihrer Geschichte besser zu identifizieren. Selbstverständlich werden auch die geschichtlich interessierten Alteingesessenen bei diesen Vorträgen auf ihre Kosten kommen.
Wir sind auch in Zukunft für weitere Anregungen und Kritiken dankbar. Wenn Sie also Vorschläge und Anregungen für die zukünftige Arbeit haben, so z.B. sehenswerte Ziele für Exkursionen, unbeachtete Aspekte der Stadtgeschichte, aber auch Verbesserungsvorschläge für die Arbeit der Gesellschaft, dann zögern Sie bitte nicht, uns diese zukommen zu lassen.
Auf Ihre Vorschläge, Anregungen und Kritiken freut sich ihre Geschäftsstelle.
Mit freundlichen Grüßen
Marc Nördinger
Zu guter Letzt
Bereits in unserem letzten Rundschreiben hatten wir Sie darüber informiert, dass wir Sie seit einiger Zeit zu den Vorträgen, Stadtrundgängen und Exkursionen unserer Gesellschaft mit gesonderter Post einladen. Außerdem erhalten Sie als Mitglied unserer Gesellschaft Einladungen und Hinweise für andere wichtige Veranstaltungen zur Frankfurter Geschichte über das Institut für Stadtgeschichte. Deshalb wollen wir auf ausführliche Veranstaltungshinweise an dieser Stelle verzichten. Damit können wir die Druck- und Versandkosten reduzieren und die eingesparten Mittel für zusätzliche Veranstaltungen verwenden. Dass diese in Ihrem Sinne ist, zeigt ja das Ergebnis unserer Mitgliederversammlung.
Ihnen allen wünschen wir schöne Festtage und alles Gute zum neuen Jahr.
Ihre Sylvia Schenk, Evelyn Brockhoff und Lutz Becht
