Rundschreiben Juli 2006
Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
selbst wenn Sie nur gelegentlich unser Domizil, das Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster besuchen, werden Sie feststellen, dass kaum noch etwas so ist, wie es war. Keine Bange, Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Selbst langjährige Mitarbeiter des Instituts schauen noch gelegentlich Hilfe suchend in abgegriffenen Plänen nach, um sich zu orientieren. Seit Mai stehen im Kloster alle Büros leer.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts sind in benachbarte Gebäude gezogen bzw. arbeiten jetzt im funkelnagelneuen Magazin in der Borsigallee. Noch ist der Lesesaal an seinem alten Platz und auch das Büro unserer Gesellschaft ist am bekannten Ort zu finden. Das Institut für Stadtgeschichte harrt einer aufwändigen, längst fälligen Renovierung und Neugestaltung. Mehr als 50 Jahre sind Heizungsrohre und Lichtleitungen alt - und manches, beim Wiederaufbau verwendete Baumaterial war nicht für die Ewigkeit geschaffen.
Das Karmeliterkloster, das „Gedächtnis der Stadt“ und „das“ Zentrum der Stadtgeschichte, muss auch modernisiert werden. So fehlt uns ein Aufzug, um auch Behinderten barrierefrei den Zugang zu ermöglichen. Es fehlen Funktionsräume für Veranstaltungen, wie Garderoben für Künstler und Besucher oder dem Besucherandrang angemessene Toiletten.
Alle diese Baumaßnahmen, die nun beginnen, greifen tief in die Arbeitsabläufe des Instituts ein. Auch unsere Gesellschaft für Frankfurter Geschichte wird davon betroffen sein. Noch bis Jahresende werden wir wie gewohnt im Dormitorium oder Refektorium unsere Veranstaltungen abhalten können. Anfang nächsten Jahres werden wir ins benachbarte Archäologische Museum ausweichen müssen. Wir informieren Sie selbstverständlich rechtzeitig darüber. Ab Mitte 2008, so hoffen wir, wird alles wieder nicht beim Alten, sondern beim viel, viel schöneren Neuen sein.
Vielleicht sind wir während der Baumaßnahmen das eine oder andere Mal nicht so wie gewohnt erreichbar. Aber unser Angebot an Vorträgen, Führungen und Fahrten werden wir auf keinen Fall einschränken! Wir laden Sie wie immer zu unseren Veranstaltungen ein und wir freuen uns sehr, wenn Sie dabei sind.
Mitgliederversammlung 2005
Am 4. Mai 2006 fand, wie gewohnt im Anschluss an den letzten Vortrag des Winterprogramms, unsere Mitgliederversammlung statt. Die Teilnahme war auch in diesem Jahr stärker als in früheren Jahren. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Wir werten das als gutes Zeichen einer höheren Identifikation mit unserer Gesellschaft.
Damit Sie alle wissen, was wir besprochen haben, möchten wir Ihnen das Protokoll nicht vorenthalten.
1. Begrüßung
Die Vorsitzende Sylvia Schenk begrüßt die Anwesenden, insbesondere die Ehrenmitglieder Prof. Dr. Wolfgang Klötzer und Dr. Frolinde Balser, und stellt fest, dass die Versammlung durch den Versand des Mitgliederrundschreibens ordnungsgemäß eingeladen worden ist. Die Versammlung ist beschlussfähig.
Zur Ehrung der im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder wird eine Trauerminute abgehalten.
2. Geschäftsbericht 2005
Sylvia Schenk verweist auf die laufende Berichterstattung im Mitgliederrundschreiben und hebt noch einmal folgende Punkte hervor:
- Die einzelnen Veranstaltungen der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte sind auf wachsendes Interesse gestoßen, die Debatte um die Altstadtbebauung hat dem Geschichtsbewusstsein in Frankfurt zusätzliche Aufmerksamkeit gegeben.
- Die Vorstandsarbeit wurde im abgelaufenen Jahr umstrukturiert, es fanden mehr Sitzungen statt und die Arbeit konnte - auch durch die Einrichtung einer Projektgruppe - auf mehrere Schultern verteilt werden.
- Erstmals wurde eine Pressekonferenz mit der Vorstellung des Programms durchgeführt, die eine gute Resonanz in den Medien hatte.
- Um das Erscheinungsbild der Gesellschaft zu verbessern wird derzeit ein neues Logo entworfen. Anschließend soll u.a. der Prospekt zur Mitgliederwerbung neu gestaltet werden.
- Wichtig ist es, dass aktuelle Interesse an Geschichte zu nutzen und die Angebote zielgruppengerecht auszugestalten, um insbesondere auch neue Mitglieder zu werben.
- Ein besonderer Dank gilt den Vorstandsmitgliedern, der Projektgruppe und den Beschäftigten des Instituts für Stadtgeschichte, die sich stets weit über das übliche Maß eingesetzt haben.
Die Zweite Geschäftsführende Vorsitzende Dr. Evelyn Brockhoff berichtet über die überaus erfolgreiche Vortragsreihe im Winterprogramm 2005/2006 anlässlich des 650-jährigen Jubiläums der Goldenen Bulle in diesem Jahr. Im Durchschnitt kamen 150 Besucher zu jedem Vortrag, was uns sehr gefreut hat.
Anlässlich dieses für die Frankfurter Stadtgeschichte so bedeutenden Ereignisses werden erstmals vier historische Institute, das Institut für Stadtgeschichte, das Historische Museum, das Jüdische Museum und das Dommuseum eine gemeinsame Ausstellung mit dem Titel „Die Kaisermacher. Frankfurt am Main und die Goldene Bulle 1356 - 1806“ in den vier Häusern zeigen. Neben einem Katalog wird es einen Aufsatzband mit Beiträgen renommierter Wissenschaftler zum Thema Goldene Bulle geben. Diesen Aufsatzband werden unsere Mitglieder als Jahresgabe kostenlos erhalten. Im kommenden Winterprogramm soll dann die im Vortragsprogramm 2004/2005 begonnene Reihe mit Beiträgen zur Frankfurter Musikgeschichte fortgesetzt werden.
Der Schatzmeister Lutz Becht berichtet, dass das erstmals 2005/2006 durchgeführte Besichtigungsprogramm „Moderne Kirchen in Frankfurt am Main“ auch außerhalb der Mitgliedschaft großen Zuspruch erhielt. Lutz Becht dankt Ulrike Schubert für die Auswahl der Objekte und die Durchführung des Programms. Insgesamt wurden sieben Besichtigungen durchgeführt. Auch 2006/07 sollen weitere, oft unterschätzte Meisterleistungen moderner Architektur vorgestellt werden.
Der Vorsitzende des Ausflugsausschusses Günter Moos berichtet vom erfolgreichen Ablauf der Ausflüge im vergangenen Jahr und stellt kurz die aktuellen Planungen dar.
Der Leiter der Projektgruppe „Geschichte für Kinder und Jugendliche“ Dr. Thomas Rautenberg fasst die bisherigen Ergebnisse wie folgt zusammen:
- Eine sechsköpfige Projektgruppe hat die Angebote für Kinder und Jugendliche in Frankfurt gesichtet und in einem Memorandum die Vorschläge für eine Verbesserung des Angebots zusammengefasst.
- Es haben sich mehrere interessierte Autoren für ein Geschichtsbuch für Kinder und Jugendliche gefunden. Nun gilt es Verlage, für ein solches Buch zu finden. Der Verlag Waldemar Kramer beschäftigt sich bereits intensiv mit einem solchen Projekt.
- In Sachen Unterrichtsmaterialien ist die Kooperation mit dem Kindermuseum dem Grunde nach hergestellt worden. Das Kindermuseum koordiniert die verschiedenen geschichtlichen Einrichtungen der Stadt auch für das Thema Frankfurter Geschichte im Unterricht. Wenn es unserem Verein gelänge, Unterrichtsmaterialien für die verschiedenen Schulstufen (Grundschule, Sekundarstufe I und II) erstellen zu lassen, wäre dies eine entscheidende inhaltliche Basis für diese Arbeit. Hierfür werden wir uns um ein Sponsoring, möglicherweise der Stiftung der Polytechnischen Gesellschaft, bemühen.
- Für eine Kinder/Jugendlichen CD zur Frankfurter Geschichte haben wir noch keine konkreten Projektideen, sind aber an Hinweisen insbesondere zu Sponsoren sehr interessiert.
- Mit den übrigen Geschichtsvereinen Frankfurts wurde eine Kooperation zu dem Thema Kinder und Jugendliche verabredet. Mitte Juni soll bereits ein erstes Treffen hierzu stattfinden.
3. Bericht des Schatzmeisters
Der Schatzmeister Lutz Becht informiert über die wirtschaftliche Situation des Vereins. Die Finanzen des Vereins sind nach wie vor konsolidiert, auch wenn im Jahr 2005 wie in den Vorjahren der altersbedingte Rückgang an Mitgliedern anhielt und die städtischen Zuschüsse gekürzt wurden. Der neu eingeführte kombinierte Vordruck für die Zahlung des Mitgliedsbeitrages/Spendenbescheinigung wurde von den Mitgliedern sehr gut angenommen. Viele Mitglieder nutzten den Vordruck für eine zusätzliche Spende an die Gesellschaft, wofür sich Lutz Becht im Namen des Vorstandes ganz herzlich bedankt. Durch den kombinierten Vordruck können die Kosten für den Versand von Spendenbescheinigungen eingespart werden. Der Verzicht auf das Beitragseinzugsverfahren reduzierte nochmals Kosten- und Arbeitsaufwand.
Die eingesparten Kosten werden für die Werbung für unsere Vortrags- und Stadtführungsprogramme verwendet. Die damit mögliche erweiterte Streuung unserer Werbemittel und die regelmäßige Ankündigung unserer Veranstaltungen in der Presse hat den Bekanntheitsgrad unserer Gesellschaft weiter verbreitert und führte bereits zu einigen Aufnahmen neuer Mitglieder.
Rücklagen für die Finanzierung der 2006 und 2007 geplanten Publikationen sind gebildet.
4. Aussprache über die Berichte
Die Arbeit der Gesellschaft wird intensiv diskutiert, dabei geht es u.a. um Mitgliederwerbung, die Einführung einer Familienmitgliedschaft und die Angebote für Kinder und Jugendliche. Die Aussprache umfasst zugleich das Arbeitsprogramm für das kommende Jahr, der dafür vorgesehene Tagesordnungspunkt entfällt daher.
5. Bericht der Kassenprüfer
Die Kassenprüferin Margarete Neubert berichtet, dass die mit Dieter Körber durchgeführte Kassenprüfung ordnungsgemäß stattgefunden und keine Beanstandungen ergeben hat. Sie beantragt die Entlastung des Vorstandes.
6. Entlastung des Vorstandes
Der Vorstand wird - bei Enthaltung der Betroffenen - einstimmig entlastet.
7. Verschiedenes
Es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor.
Die Sitzung wird um 20.30 h geschlossen.
Programmvorschau
In diesem Jahr stehen zwei gewichtige Jubiläen an: 1356, vor 650 Jahren, erließ Kaiser Karl IV. mit der so genannten Goldenen Bulle ein erstes „Grundgesetz“ des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation). Es bestimmte Frankfurt am Main endgültig zum Wahlort der deutschen Könige und Kaiser:
Sieben Kurfürsten (später neun) hatten fortan exklusiv das Recht zur Königswahl, die in der Wahlkapelle der Bartholomäus-Kirche stattfand. Seit 1562 kamen dann auch noch die Kaiserkrönungen hinzu, weswegen man die Bartholomäuskirche gerne auch als Kaiserdom bezeichnet.
Dieses Privileg der Kaiserwahlen überdauerte mehr als 400 Jahre bis zum Ende des Alten Reiches, als Franz II. - infolge der großen Neuordnung des europäischen Staatensystems durch Napoleon - die Kaiserkrone im Jahr 1806 niederlegte. Auch an das Ende des Alten Reichs vor 200 Jahren soll in diesem Jahr erinnert werden.
Aus diesem Anlass werden das Institut für Stadtgeschichte, die Hüterin der Goldenen Bulle das Historische Museum, das Jüdische Museum und das Dommuseum die Ausstellung „Die Kaisermacher. Frankfurt am Main und die Goldene Bulle, 1356-1806“ ab dem 30. September 2006 präsentieren. Den Eröffnungstermin im Institut für Stadtgeschichte am 29. September 2006 sollten Sie sich bereits jetzt schon vormerken. Eine gesonderte Einladung wird Ihnen nach den Sommerferien zugehen.
Erstmals in ihrer Geschichte werden die genannten vier Institute gemeinsam in dieser Form kooperieren und sich dem Thema dabei auf verschiedene Weise annähern: im Zentrum der Ausstellung des Instituts für Stadtgeschichte wird die Goldene Bulle selbst stehen. Das Historische Museum wird sich vor allem mit der weltlichen Seite der Kaiserwahl und - Krönung befassen, während sich das Dommuseum auf das geistliche Ritual konzentrieren wird. Das Jüdische Museum wird sich schließlich mit dem Verhältnis der Juden zum Kaiser beschäftigen.
Ein weit gespanntes Rahmenprogramm ist vorgesehen: die Originalschauplätze in der Stadt wie Römer, Dom und auch unser Karmeliterkloster (das in Wahl- und Krönungszeiten zahlreiche Gäste beherbergte) sollen dabei deutlich herausgestellt werden. Ein gemeinsames dezentrales Ausstellungskonzept mit einem umfangreichen Begleitprogramm, das die ganze Altstadt als Ausstellungsort mit einbeziehen wird, wird derzeit erarbeitet.
Ein gemeinsamer Katalog und ein Aufsatzband werden zur Ausstellung erscheinen. Im Aufsatzband werden u.a. alle Vorträge der Vortragsreihe der Gesellschaft für Frankfurts Geschichte e.V. zur Goldenen Bulle aus dem Winterprogramm 2005/2006 publiziert. Diesen Band erhaltenen unsere Mitglieder kostenlos anstelle eines AfGK-Bandes. Der nächste Band aus der Reihe des Archivs für Geschichte und Kunst wird dann der Musikgeschichte Frankfurts gewidmet sein und 2007 erscheinen.
Unser Vortragsprogramm im Winterhalbjahr 2006/2007 steht wieder ganz im Zeichen des Notenschlüssels.
Evelyn Johannsen, Dozentin für Klavier am Dr. Hoch'schen Konservatorium, stellt uns am 26. Oktober 2006 die Musikerin und Komponistin Clara Schumann vor.
Oliver Marc Piëcha wird am 23. November 2006 das Schumann-Theater wieder erstehen lassen.
Wissen Sie eigentlich was alles so passiert, lange bevor die Musiker auf der Bühne stehen? Fritz Rau, Konzertmanager und die „Legende unter den Kartenverkäufern“, erzählt es Ihnen am 14. Dezember 2006.
Schon kurz nach dem Kriegsende 1945 lebte das Opern- und Konzertleben zwischen den Trümmern Frankfurts wieder auf. Unter welchen Umständen, darüber referiert Eva Zander am 18. Januar 2007.
Bis April folgen noch weitere Vorträge. Näheres dazu teilen wir Ihnen rechtzeitig mit.
Wie schon erwähnt, werden wir die Führungen moderner Kirchen im Herbst fortsetzen. Auf dem Programm stehen bereits die Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel am 7. Oktober 2006, die Frauenfriedenskirche in Bockenheim am 11. November 2006, die Epiphaniaskirche in Eckenheim am 20. Januar 2007, die Allerheiligenkirche im Ostend am 24. Februar 2007 und Sankt Ignatius im Westend am 24. März 2007. Terminlich außer der Reihe planen wir noch Führungen in der Westendsynagoge und in der neuen Moschee der Pakistanisch-Islamischen Gemeinde.
Mitgliedsbeitrag 2006
Mit dem letzten Rundschreiben haben wir die Überweisungsträger für Ihre Beitragszahlung versandt. Dieses Formular ist zugleich eine Spendenbescheinigung für einen Betrag bis € 100,00. Bitte verwenden Sie ausschließlich dieses Formular - auch wenn Sie uns einen Abbuchungsauftrag erteilt haben. Aus Kosten- und pragmatischen Gründen ziehen wir die Jahresbeiträge nicht mehr ein. Ihre Vollmachten haben wir vernichtet. Wenn Sie Ihre Bankgeschäfte über „electronic-banking“ abwickeln, machen Sie einen Ausdruck von der Überweisungsbestätigung und heften Sie diesen als Quittung an unseren Vordruck. Sollten Sie das Formular verlegt haben, wird Ihnen unser Marc Nördinger von der Geschäftsstelle gerne ein neues Formular zusenden.
Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer
Sylvia Schenk, Evelyn Brockhoff und Lutz Becht
