Vortrag:
„In diesem Kreis sind auch Sie ein Herr!“
Elisabeth Schwarzhaupt – die erste Ministerin in einem Bonner Kabinett
„Ich kann doch nicht mit einem Kühlschrank zusammenarbeiten“, soll Konrad Adenauer gewohnt schnoddrig über sie gesagt haben. Am Ende musste sich der alte Patriarch doch dem immer größer werdenden Druck der CDU-Frauen auf den Kanzler beugen und Elisabeth Schwarzhaupt 1961 zur ersten Ministerin in einem bundesdeutschen Kabinett ernennen. Die erste Frau in einem Bonner Regierungsamt (1961-1966) müsste eigentlich eine Ikone der Frauenbewegung sein: Sie leitete mit ihren politischen Mitstreiterinnen klug und nachhaltig das Ende der rein männlichen Regierungsverantwortung auf höchster Ebene ein, sie wehrte sich erfolgreich gegen das „Letztentscheidungsrecht“ des Mannes in der Familie und sorgte dafür, dass Frauen, vor allem aber die gemeinsamen Kinder bei einer Scheidung besser gestellt wurden als durch das Scheidungsrecht der Nachkriegszeit, das noch aus der Nazizeit stammte. Eine Frankfurterin, die Emanzipation vorlebte und politisch durchzusetzen verstand. Elisabeth Schwarzhaupt (1901-1986), die ihre „Karriere“ als erste Frau im evangelischen Oberkirchenrat begann, ist heute weitgehend vergessen. In der Historiographie der Frauenbewegung ist sie selten mehr als eine Fußnote, und selbst in der Geschichtsschreibung der Frauen-Union (also innerhalb der CDU selbst) wird sie kaum erwähnt. Völlig ignoriert wird die erste Gesundheitsministerin der Bundesrepublik als Umweltpolitikerin, die schon in den frühen Sechziger Jahren – das höhnische Gelächter der CDU-Granden souverän ignorierend – den drängendsten Umweltproblemen Krach, Luftverschmutzung und der Verunreinigung der Bäche und Flüsse energisch den Kampf ansagte.
Referent: Harald Ille M. A., Heidelberg
Termin: Montag, 15. April 2013
Beginn: 18.30 h
Ort: Dormitorium, Karmeliterkloster, Münzgasse 9
Der Eintritt ist frei.
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